Über Lumbalpunktionen, MRTs und Tiefpunkte

„Bleib einfach entspannt“, sagt er, während er meinen Rücken desinfiziert, in den er gleich eine rießige Nadel stechen wird. „Vielleicht fühlt es sich wie ein Stromstoß durch deine Beine an, vielleicht wirst du aber auch ohnmächtig. Wichtig ist auf jeden Fall: Bleib entspannt!“. Sein russischer Akzent ist so ausgeprägt, dass ich ihn kaum verstehen kann. Ich weiß, dass es nicht so schlimm werden wird. Aber nach wochenlangen Kopfschmerzen und einen extrem fiebrigen Vormittag, so inklusive Schüttelfrost und starken Gliederschmerzen, und nach 3 Stunden Wartezeit, alleine, im Wartezimmer, obwohl meine Familie draußen sitzt und wartet, schaffe ich es kaum noch, meinen Kopf oben zu halten. Alles tut weh und ich bin wahnsinnig erschöpft. Ich will einfach nur ins Bett.

tiefpunkte

Zwei Tage später stehe ich wieder vor dem Krankenhaus. Ohne Diagnose, ohne Lösung, ohne Schmerzmittel. Die Lumbalpunktion war unauffällig, das MRT auch. Also bin ich gesund. Super. Dann kann ich ja nach Hause gehen.

Um 18:30 liege ich anschließend im Bett und kann mich überhaupt nicht mehr rühren. Mein ganzer Rücken tut weh und in meinem Kopf zieht es, als würde es mich gleich zerreißen. Licht ertrage ich überhaupt nicht, nicht mal meine Lavalampe funktioniert gerade für mich. Und auch wenn es mir die Tage davor wirklich scheiße ging, jetzt fühle ich mich so richtig hoffnungslos.

Solche Dinge kommen nie zum richtigen Zeitpunkt. Also ehrlich gesagt gibt es auch gar keinen richtigen Zeitpunkt dafür. Doch dass das alles passiert, während ich die Bachelorarbeit fertig stellen muss, kurz vor meinen letzten Prüfungen und kurz vor meinem großen Umzug – nunja. Es hätte besser laufen können. Drücken wir es mal diplomatisch aus. Den Start ins Jahr 2018 hätte ich mit wirklich anders vorgestellt.

Eine halbe Woche später: Ich liebe im abgedunkelten Zimmer meines Freundes. Wegen mir muss er in totaler Finsternis arbeiten, denn Licht ertrage ich überhaupt nicht. Jetzt, so nach dem Krankenhaus, sind meine Kopfschmerzen sogar noch schlimmer geworden. Ich bin noch ein weiteres Mal beim Arzt gewesen, der mir nahe gelegt hat, ich solle mir doch einen guten Psychiater suchen. Dass ich seit drei Tagen nur noch auf dem Rücken liege, Löcher in die Luft starre und mich vor Schmerzen nicht bewegen kann, scheint er für einen Hilfeschrei meiner Psyche zu halten. All die Versicherungen, dass es mir gut geht und sich Stress-Kopfschmerzen bei mir anders äußern, die scheinen komplett an ihm abzuprallen.

Deswegen habe ich beschlossen, mich nicht mehr auf Ärzte zu verlassen. Stattdessen versuche ich, mit der Macht Googles, herauszufinden, was mir fehlt und was mir vielleicht helfen könnte – auf natürliche Art und Weise. Ich versuche also nun, 3 Liter Wasser am Tag zu trinken, habe mir Pfefferminzöl gekauft und meinen Kühlschrank mit viel grünem Gemüse gefüllt. Auf meinem Handy befinden sich Meditationsapps, auf YouTube suche ich nach guten Yoga Kanälen und wenn ich aus dem Haus gehe, dann ohne Kopfhörer. Dafür aber mit einem besseren Bewusstsein für meine Atmung und mehr Achtsamkeit. Meinen Termin beim HNO werde ich trotzdem noch wahrnehmen – just in case. Ich kann noch nicht sagen, ob es mir etwas hilft, aber ich gebe mein Bestes, um mich nicht unterkriegen zu lassen.

Ich weiß, dass das jetzt mal wieder einer dieser Tiefpunkte ist. Einer von denen, wo man nicht mehr weiter weiß. Aber das Gute bei Tiefpunkten ist, dass sie wieder vorbei gehen. Denn irgendwann werden meine Kopfschmerzen wieder weg sein, das weiß ich einfach. Und dann werde ich dazu gelernt haben. Neue Erfahrungen gesammelt haben. Und vorallem: Dann habe ich wieder einen dieser Tiefpunkte überwunden. Und das macht mir Mut.

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